Geschichte
Eine Gruppe von Studierenden und Absolvent*innen der Uni Oldenburg unterstützte 1985 die Auflösung der psychiatrischen Langzeitklinik Kloster Blankenburg indem sie Patient*innen ermöglichte, zu malen, Masken zu bauen und Theater zu spielen.
Im August reisten sie gemeinsam mit ehemaligen Patient*innen und Betreuer*innen mit der „Blauen Karawane“ durch mehrere Großpsychiatrien, um auf die unhaltbaren Lebensumstände in den Psychiatrien aufmerksam zu machen. Zurück in Bremen trafen sich einige der Beteiligten im Bremer Kulturzentrum Schlachthof wöchentlich an zwei Nachmittagen zum Malen, Theaterspielen und Kaffeetrinken.
1986 bauten die Künstler*innen eine in einem Hinterhof gelegene Lagerhalle zum Atelier um. Hier fanden die ehemaligen Blankenburger*innen ihr künstlerisches Zuhause. Hier konnten sie sich mit psychiatrieerfahrenen und kunstinteressierten Menschen treffen, Theater spielen, Masken bauen und sich bildnerisch ausdrücken. Mit ihrer Kunst unterstrichen sie ihr Verständnis für ein selbstbestimmtes Leben außerhalb der psychiatrischen Anstalt in Freiheit.
In der ganzen Woche wurde künstlerisch gearbeitet. Zu dieser Zeit nahmen rund 30 Teilnehmer*innen an den Kursen teil. 5 Mitarbeiter*innen wurden über ABM-Stellen finanziert, weitere arbeiteten ehrenamtlich. Die Zahl der Teilnehmer*innen wuchs kontinuierlich. Theaterspektakel wie „Schwesterchen, was machst du – weinst du oder lachst du?“ und erste Ausstellungen wurden von der Öffentlichkeit begeistert aufgenommen. Die Theaterstücke avancierten durch die Beteiligung der Maskenspieler*innen, Musiker*innen und Maler*innen zu großen Spektakeln und beeindruckenden Gesamtkunstwerken.
1991 erhielt das Theaterspektakel „Jakobs Krönung“ den internationalen Kulturpreis von EUCREA, 2011 erhielt das Blaumeier-Atelier den Bremer Stadtmusikantenpreis.
Die Rockband „The Gummiband“ und der „Chor Don Bleu“ etablierten Musik als festen Bestandteil des Programmangebots.
Das Theaterstück „Fast Faust – Blaumeiers großes Goethöse“ begeisterte das Publikum in Düsseldorf, Leipzig, Mainz, Hamburg, Bremen und sogar in London. Mit „Verrückt nach Paris“ eroberte Blaumeier 2002 schließlich auch die Kinoleinwand. In der Folge kam es immer häufiger zu Gastauftritten von Blaumeier-Schauspieler*innen in Filmproduktionen.
Der Maskenbereich veranstaltete in den Jahren 2000 bis 2006 insgesamt sechs Mal die opulente „FreiNacht der Masken”. In einem kunstvoll gestalteten Park verzauberten bis zu 300 Maskenspieler*innen aus dem ganzen Bundesgebiet jeweils bis zu 7000 ZuschauerInnen.
Mit der Einweihung des barrierefreien Erweiterungsbaus mit großem Theatersaal, Café, Bilderlager und Büro im Jahr 2007 hat Blaumeier seine Position als Hinterhofprojekt auch nach außen hin sichtbar verlassen. Theaterstücke von Blaumeier werden als Gastspiel am Bremer Theater und an anderen großen Bühnen aufgeführt. Im eigenen Theatersaal finden regelmäßig Aufführungen statt. Der Chor Don Bleu gastierte bereits in Peking und Budapest, die Schauspieler*inne traten u.a. in Danzig, Moskau, Durban und Cardiff auf, die Masken gastierten auf vielen Straßentheaterfestivals und die Maler*innen stellten Bilder in Zürich, Moskau, Lettland und 1998 und 2003 im Deutschen Generalkonsulat in New York aus.
Seit 2015 ist das Blaumeier-Atelier Mitveranstalter des internationalen Theaterfestivals „Mittenmang“ im Theater Bremen. Hier sind Theatergruppen zu Gast, die mit ihren Produktionen unterschiedliche, mitunter provokante Standpunkte zum Thema Inklusion und gesellschaftliches Miteinander vertreten.
Heute nehmen über 250 Menschen mit und ohne Beeinträchtigung oder Psychiatrieerfahrung am künstlerischen Programm nehmen teil.
Die 40-jährige Geschichte des Blaumeier-Ateliers wurde nicht zuletzt durch die regelmäßige finanzielle Unterstützung von 300 Fördermitgliedern und einer großen Zahl von Spender*innen ermöglicht. Um weiterhin integrative Kunst der Öffentlichkeit präsentieren zu können, ist Blaumeier auch in Zukunft auf Ihre Unterstützung angewiesen!